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Hobbyfotograf // Landschaftsfotografie

Kann das iPhone 13 Pro Wasser?

Veröffentlicht am: 11. Oktober 2021

Meine fotografische Reise mit dem iPhone 13 Pro geht weiter und ich schaute mir am Wochenende an, was denn die Kamera im iPhone auch abseits des Makromodus zu bieten hat. Dazu habe ich mir das Stativ geschnappt und bin an die Wesenitz in der Sächsischen Schweiz gegangen um dort die ersten Eindrücke des Herbstes aufzunehmen. Dabei sollte das Wasser auch eine entsprechende Rolle spielen und um die fließende Bewegung des Wassers aufnehmen zu können, muss eine lange Belichtungszeit her.

Im Halbschatten benötigt man für eine Belichtungszeit von mehr als einer Viertelsekunde in der Regel einfach nur eine recht geschlossene Blende und einen ISO-Wert von 100. Doch beim iPhone 13 Pro kann man keine Blende einstellen, die ist fix. Also was tun? Im Automatikmodus der Kamera-App kommt man jedenfalls nicht sehr weit, die Bilder würden die Bewegung des Wassers kaum wiedergeben. Also benutzte ich die App Camera+ 2 und hatte hier die Möglichkeit die Belichtungszeit und den ISO-Wert selbst festzulegen. Da aufgrund der geringen Sensorgröße bei einer typischen Landschaftsszene ohnehin alles im Fokus ist, müsste man hier nicht abblenden; was ja ohnehin nicht geht. Wie also die Belichtungszeit verlängern? Da hilft nur: ISO-Wert runter. Dieser lässt sich bis auf den Wert 25 herabsetzen. Damit hätte man also nicht nur eine Verdoppelung, sondern eine Vervierfachung der Belichtungszeit gegenüber einer angenommenen Standard-ISO von 100. Damit erreichte ich eine Belichtungszeit von 1/25s.

Die Wesenitz in der Nähe von Elbersdorf im Herbst 2021.

Das Ergebnis kann sich für eine Handykamera ja schon einmal sehen lassen. Natürlich habe ich das Ursprungsergebnis etwas nachbearbeitet, mit der Fotos-App von Apple. Die stellt auf dem Mac erstaunlich viel Bearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung, ja selbst die Gradationskurve ist vorhanden. Was jedoch in obigem Bild auffällt, ist die deutliche Überbelichtung des Wassers im hellen Bereich.

Da Camera+ 2 jedoch auch eine RAW-Version neben dem HEIC-Bild speichert, versuchte ich mich an der ersten RAW-Entwicklung eines iPhone-Fotos mit Capture One Pro. Dazu muss man erst einmal das DNG-File aus der Fotos-App exportieren (Im Menu unter AblageExportierenUnbearbeitetes Original für 1 Foto exportieren …) und dann in Capture One importieren. Schnell stellte sich für mich erst einmal heraus, dass für das DNG kein besonders gut geeignetes Profil vorhanden ist und die Ränder ziemlich stark abgedunkelt sind. Das ist an sich zwar nicht so schlimm, da bei dem von mir verwendeten Ultraweitwinkel-Objektiv die Ecken ohnehin nicht so scharf sind. Doch mit der Auswahl eines entsprechenden generischen Profils und der Anpassung der Helligkeit, bekommt man auch in den Ecken eine gute Ausgangsbasis.

Mit Generic pincusion distortion und entsprechender Helligkeitsanpassung bekommt man eine gute Ausgangsbasis für das stark vignettierte DNG.

Um dem obigen Bild noch etwas mehr Details zu entlocken, kann man in Capture One Pro bei der RAW-Entwicklung auf sämtliche vom Sensor gesammelten Informationen zugreifen und im HDR-Bereich der Belichtungsanpassungen die Lichter abdunkeln. Man ist erstaunt, wie viele Details noch im oben abgeschnittenen weißen Fleck in der Mitte des Wasserstrudels tatsächlich noch vorhanden sind. Allein hier lohnt sich der Einsatz der RAW-Entwicklung. Dazu gesellten sich noch ein paar weiteren Änderungen am Kontrast, Schärfe und Farbbalance. Das Ergebnis möchte ich nun auch nicht vorenthalten.

Die Wesenitz in der Nähe von Elbersdorf im Herbst 2021.

Ich würde also festhalten, dass das iPhone durchaus in der Lage ist, annehmbare Bilder auch mit längerer Verschlusszeit zu produzieren. Für höheren Dynamikumfang bietet sich eine Entwicklung mit einem RAW-Entwickler an, da nur hier wirklich alles aus den Sensordaten herauszuholen ist. Auch hilft die Nutzung einer guten App für die manuelle Bedienung ungemein.